Riga - das Abenteuer
Eine chronologische Auflistung der Ereignisse in 5 Akten

wie alles begann...
Die Idee hatte uns Liene in den Kopf gesetzt. Liene aus Valmiera, Lettland. Flüge nach Riga seien total günstig! Das ließen Inga und ich uns nicht zweimal sagen und stellten gleich Nachforschungen via Internet an. Norwegian wurde preislich von Air Baltic geschlagen und nach einem Luscher auf die Schwarze Liste buchten wir unsere Reise ins Paradies der billigen Preise (eigentlich ist das aus norwegischer Sicht fast überall...).
Unser Flug wurde lange vor Abreise anderthalb Stunden nach vorne verschoben, was sich dann auf Grund der Wetterverhältnisse (Schnee in Riga) und verspätetem Flugzeug fast wieder erübrigte. Aber dazu gleich. Zunächst mussten wir uns der großen Herausforderung von Europäischen Richtlinien stellen. Die Flüssigkeiten im Handgepäck!
Gelernt haben wir folgendes: Zu Flüssigkeiten wird auch der Lippenpflegestift (ich will keinen Namen nennen) und die Handcreme gezählt. Da wir bereits in der Eingangshalle großzügig mit tauglichen Tüten ausgestattet wurde, war dies alles eigentlich nur ein mega Organisationsproblem für die Flughafen Security. Kommt jetzt der Beutel in eine extra Wanne durch die Kontrolle oder kann dieser auch auf der Jacke liegen? Mitarbeiterin A packte diesen extra, damit Mitarbeiterin B den wieder auf die Jacke legte ;>
Das soll eineR verstehen! Gute Nachricht: Bei mir piepts nicht...
Inga dagegen musste sich halb ausziehen. Aber wie ihr ja von den diversen Fotos wisst, sieht sie auch sehr nach Terroristin aus!

Sicherheitslücke 1: Mein Lippenpflegestift wurde dann noch nicht mal näher begutachtet! Aber wer meint denn auch, dass die Security da auf einmal SprengstoffexpertInnen hinsetzt???
Sicherheitslücke 2: Weil ich mit den Gedanken schon ganz woanders war, drückte ich Inga einfach irgendeines der Flugtickets in die Hand. Genauer gesagt - meins. Wir sind damit bis ins Flugzeug gekommen, ohne dass jemand nur mit der Wimper gezuckt hätte!
Der Flug wurde ganze dreimal nach hinten verschoben, so dass wir ewig am Flughafen warten mussten. Im Flugzeug hatten wir dann den Genuss relativer Enge, schreiender Kinder und stinkender Luft aus dem ChemieWC - wir saßen in der letzten Reihe...
Gelandet in Riga, konnte das Flugzeug nicht an den Gang ran fahren, so dass wir mit dem Bus irgendwo abgeholt wurden. Dabei warnte die Crew uns bestimmt dreimal vor dem slippery ground. Ja, der Boden war schon sehr vereist, aber das sind wir ja aus Oslo gewohnt! Sogleich stiegen wir in den Lokalbus nach Riga City.

Leider verstanden wir aber auch nicht mehr als Riga. Die Straßennamen waren lettisch uns somit undeutbar für uns. Auch die Konduktora (mobiler Fahrkartenautomat aus Vorzeiten) konnte uns nicht weiterhelfen, weil sie kein Wort Englisch konnte. Wir stiegen daher zu spät aus! Da wir uns nur die Wegbeschreibung von dem Busterminal aufgeschrieben hatten, nun aber in einer einsamen Gegend irgendwo anders waren, liefen wir einfach in irgendeine Richtung. Gefühlt: zurück.
Gleich bei der ersten Ampel winkte uns ein Mann aus einem Bully. Sonst war niemand weit und breit zu sehen (eine Stunde Zeitverschiebung nach hinten - es war also spät). Ich ging also hin und zeigte auf den Straßennamen, in der das Hostel gelegen war. Er zeigte nach rechts unter eine Brücke und meinte, dass er uns ja mitnehmen könne, schließlich wär das ein ganzes Stück. Zwei Mädels allein unterwegs, männliche Gestalt im Wagen, nicht in Norwegen: Ich lehnte dankend ab. Nach einer ganzen Weile Nachtspaziergang, konnte uns dann doch noch ein anderer Traveller weiterhelfen und schon bald waren wir im Hostel. Tja, die Touristen sind manchmal die besseren Guides...

Ganz großes Kino
Das Hostel können wir nur empfehlen! Die MitarbeiterInnen sind überaus freundlich uns hilfsbereit. Die Küche bietet zwar keine Kochmöglichkeiten, aber eine Espressomaschine und eine kuschelige familiäre Atmosphäre. Neben der Rezeption lag ein Aufenthaltsraum, in dem man immer Leute getroffen hat und morgens früh zumindest den Computer mit kostenlosen Internetzugang! Im Zimmer war frische Luft und genug Platz. Das Bad immer sauber. Das alles gab´s für 10 Eur0 die Nacht. Allerdings sollte man bei einem Aufenthalt im Dormitory immer Ohrenstöpsel dabei haben, sonst gibt´s noch gratis Spanisunterricht dazu.
www.argonaut.lv

Am nächsten Morgen ging es dann in die Old Town, an derem Rande das Hostel auch liegt. Somit war alles schnell zu erreichen. Die City ist auch von Sehenswürdigkeiten zugestopft!

Nur einen Bäcker fanden wir zunächst nicht. Nachdem wir ca. eine Stunde rumgelaufen waren und schon massig fotografiert hatten, trafen wir dann doch noch auf kleine süße Teilchen. Eigentlich sind wir ab dem Zeitpunkt in jede Konditorei gegangen, wenigstens um zu gucken und riechen. Hmmmmm. Während unseres Spazierganges wurden wir mehrmals von Schnee-Lawinen bedroht, aber wir haben es immer heil heraus geschafft...
Da ich nach einem schönen Aufnäher für meinen großen Rucksack suchte, drängt es mich in jeden Suveniri-Laden der Stadt. Früher habe ich um solche Läden einen extra großen Bogen gemacht, jetzt mache ich mir einen Spaß draus... Ich hab einen runden Aufnäher gekauft mit dem Wahrzeichen der Stadt: eine schwarze Katzte auf dem Dach.

Mittags kamen wir in den Genuss eines echt lettischen Essens, wobei ich es leider nicht mehr betiteln kann. Man könnte sagen: Teigtaschen mit verschienen Sorten Pesto und frittierten Teilchen. Als Vorspeise Solianka. Das ganze zum Mensapreis! Wir gönnten uns dann nachmittags noch Kaffee und Kuchen und fühlten uns wie im Schlemmerland.

Plan für der Abend war endlich mal wieder Kino! Perfume hatten wir uns ausgesucht. Doch manchmal kommt eben alles ganz anders als man denkt! Wir hatten gerade ein paar Sachen für den nächsten Tag im Stockmann´s eingekauft und wollten diese noch eben ins Hostel bringen. Auf dem Weg dorthin wurde aber mein Portmonnaie geklaut mit sämtlichen Karten, Bargeld und die Kinokarten!
Es geschah in einer dunklen, einsamen Gasse nahe des Bahnhofes und eigentlich nur eine Parallelstraße zum Hostel... Die Mitarbeiterin im Hostel rief sofort die Polizei an, um uns zu sagen wohin wir den fahren sollten, um den Sachverhalt aufzunehmen. Ich vertelefonierte innerhalb von 4 Minuten die gerade aufgeladenen 150 Kronen meiner norwegischen Handykarte mit meinem Papa. Karten sperren war nun sein Job. Ich hatte mit Polizei und Botschaft auch genug zu tun.
Inga und ich machten uns mit der Straßenbahn auf in Richtung Polizeidienststelle. Das Geld bekamen wir vom Hostel geliehen, weil ich all unsere lettischen Lats dabei hatte. Dort empfing uns ein jugendlicher Polizist, der gar nicht ganz zuhörte, was passiert war und dann meinte, es müsste ein Übersetzer bestellt werden. Das könnte dauern. Vielleicht eine Stunde, vielleicht zwei. Man kommt sich einfach verarscht vor. Wir warteten also. Neben den Verbrecherfotos und den vermissten Kindern und Frauen. Zwei alte Stühle standen rum. Der Flur sah aus wie zu alten SU-Zeiten, hinten lief ein Film auf russisch.
Irgendwann wurde ich dann mit dem Übersetzer verschleppt. So zumindest dachte Inga, alleine über eine Stunde wartend, weil sie nicht mit ins Büro durfte. Ich zählte auf, was alles gestohlen wurde. Details waren aber unwichtig - ob es nun ein schwarzes Portmonnaie gewesen ist, wo Oxmox drauf steht oder nur von der Marke - wen interessiert das schon??? Den Polizisten und Übersetzer auf jeden Fall nicht. Sie vergaßen auch fast, meine Kontaktadresse aufzuschreiben, falls sich doch zufällig was wieder anfinden sollte...
Die Botschaft war unser Ziel für den nächsten Morgen:

Da ich nicht nach Deutschland ausreisen wollte - sondern nach Oslo - knöpften sie mir umgerechnet ca. 70 Euro für einen neuen Pass ab, der dazu nur ein Jahr gültig ist! Wir mussten auch gleich zwei mal ins Fotostudio, da ich zuerst zu klein auf den Bildern war. Kleiner Trost: die Bilder waren nur halb so teuer wie in einem deutschen Automaten. Auf dem Weg dorthin, kamen wir hier vorbei- ein 24 Stunden Blumenladen. Wer nachts um 2 dringend Blumen braucht, weiß ich bis heute nicht...

Lettland is like...
Frauen in high heels und Popomanschette liefen überall durch den Schnee und die eisglatten Straßen. Inga hat ja schon gemutmaßt, dass Stöckelschuhe die moderne Form der Spikes seien... Es wird auch gemunkelt, dass Lettland ein Frauenüberschuss hat und die sich deshalb so aufbrezeln. Wir sind daher sofort als Touristinnen aufgefallen. Sehr kurios waren auch die Warnhinweise am Eingang zum großen Kaufhaus: Die Abtretmatte war nicht Stöckelschuh-partibel.

Gleich daneben laufen alte Mütterchen, gebeugt und in alten Klamotten, zerschlissene Schuhe. Das kannte ich ja auch schon aus Estland.

In Riga fanden wir auf dem Markt zudem viele Frauen, die Plastiktüten verkauft haben. In allen Farben und Mustern. In den Markthallen gab es alle möglichen Varianten von Fleisch zu kaufen, aber auch Aloe Vera und ganz viel Honig. Ausländische Zeitungen dagegen Fehlanzeige. Zwei englischsprachige haben wir nur am Flughafen gefunden. Die Internationalisierung hat auf diesem Gebiet echt noch Nachholbedarf. Sonst ist Riga schon prächtig touristisch erschlossen. Nur aus der Touri-Info im Bahnhof wurden wir nicht wirklich schlau. Da musste man sich die Fahrzeiten für die Bahn sogar noch abschreiben. Sowas ist man einfach nicht mehr gewöhnt.
Und das Ticket nach Sigulda bekamen wir so:
-Sveiki! Do you speak english?
-No.
-Ok. hmmm. Sigulda?( zwei Finger gezeigt)
-Majori?
-ja.
-hmm. (tippt den Preis und die Uhrzeit in den Taschenrechner): 1,70 lats für beide, einfache Fahrt
-ja, paldies.
Drei ganze Wörter lettisch können wir nach der Fahrt! Es standen zwar noch so hilfreiche Sätze wie - you have beautiful eyes - oder - I have a black belt in Karate - bzw. - Is this a forrest? - auf dem Stadtplan von Riga, den wir vom Hostel bekommen hatten. Aber: die Ausprache hatten wir nach zwei Minuten vergessen. Trotz Offenbarung in Lautschrift - z.B.: Es ney-zinu kur es zee-voy-uh... = I don´t know where I live. Das haben wir dann mal besser gelassen ;>
Die Züge hatten noch Leder- bzw. Holzbänke, auf denen man "bequem" zu zweit, intimer zu dritt sitzen konnte. So eine Reise bringt echt neue Eindrücke...
Meer, Burgen und Schlösser
Mittwoch Nachmittag sind wir nach Jurmala gefahren - ans Meer. Dieses war i schönstes Pastell gehüllt...

Im November ist eine etwas verlassene Einkaufsstraße kaum überraschend, dafür aber der einsame Mann im Meer. Ja, es hat sich einer reingetraut. Wir froren schon am Ufer und mummelten lieber in Ruhe unser Chiabatta mit Oliven - ein Traum von einem Brot!
Neuste oder renovierte Häuser stehen neben zerfallenen Villen oder Hütten, am Strand gab es tankstellenartige Schilder und tote Fische, aber kein Bernstein... Abends gönnten wir uns dann noch einen Cocktail im "Cuba". hmmm.
In Sigulda regnete es die ganze Zeit. Nachdem wir uns kurz in der Touri-Info aufgewärmt hatten, nahmen wir den Bus nach Turaida, um uns die Burg anzusehen.

Alle Infos waren auch auf Englisch übersetzt worden, so dass wir Einblick in die Geschichte der Burg bekamen. Zum Schluss sind wir noch den Turm hochgekraxelt, was sich super gelohnt hat - besonders wegen der krassen Nebellandschaft:

Sigulda hat eigentlich noch viele andere kulturelle Highlights, aber wir waren ja an die Busse gebunden und wollten noch weiter nach Cesis. Der Bus dorthin war so überfüllt, dass ich schon halb auf dem Schoss eines älteren Herren gelandet bin und Inga besorgt fragte, ob ich noch Luft bekäme. Nun ist das ja kein Feierabendverkehr einer Großstadt, sondern ein Überlandbus. Das war schon sehr befremdend.
Angekommen in Cesis war es schon stockfinster und uns war einfach nur noch eiskalt. Wir fragten nach dem nächsten Bus zurück nach Riga und hatten daher gerade mal 45 Minuten Aufenthalt. Das reichte aber völlig, um einmal zu den zwei Schlösser zu laufen und zurück. Die lagen nämlich nur 5 Minuten Fußmarsch entfernt. Das Schloss erkennt man auf meinem Bild nicht wirklich, dafür ist es ein tolles Zeugnis über den Schnee!
Jugendstil und Kekse
Rigas Altstadt ist einfach wunderschön und so schlenderten wir vor der Abreise am Freitag einfach nochmal durch die Gassen, kauften ein und gingen ins Okkupationsmuseum. O-ton: Die bösen Russen, die bösen Deutschen und nochmal die bösen Russen...

Nach einem letzten Atemzug von Jugendstilbauten, ging es dann zum Einkaufen in den Rimi (Kekse, Kekse, Kekse) und schon zurück nach Oslo!


wie alles begann...
Die Idee hatte uns Liene in den Kopf gesetzt. Liene aus Valmiera, Lettland. Flüge nach Riga seien total günstig! Das ließen Inga und ich uns nicht zweimal sagen und stellten gleich Nachforschungen via Internet an. Norwegian wurde preislich von Air Baltic geschlagen und nach einem Luscher auf die Schwarze Liste buchten wir unsere Reise ins Paradies der billigen Preise (eigentlich ist das aus norwegischer Sicht fast überall...).
Unser Flug wurde lange vor Abreise anderthalb Stunden nach vorne verschoben, was sich dann auf Grund der Wetterverhältnisse (Schnee in Riga) und verspätetem Flugzeug fast wieder erübrigte. Aber dazu gleich. Zunächst mussten wir uns der großen Herausforderung von Europäischen Richtlinien stellen. Die Flüssigkeiten im Handgepäck!
Gelernt haben wir folgendes: Zu Flüssigkeiten wird auch der Lippenpflegestift (ich will keinen Namen nennen) und die Handcreme gezählt. Da wir bereits in der Eingangshalle großzügig mit tauglichen Tüten ausgestattet wurde, war dies alles eigentlich nur ein mega Organisationsproblem für die Flughafen Security. Kommt jetzt der Beutel in eine extra Wanne durch die Kontrolle oder kann dieser auch auf der Jacke liegen? Mitarbeiterin A packte diesen extra, damit Mitarbeiterin B den wieder auf die Jacke legte ;>
Das soll eineR verstehen! Gute Nachricht: Bei mir piepts nicht...
Inga dagegen musste sich halb ausziehen. Aber wie ihr ja von den diversen Fotos wisst, sieht sie auch sehr nach Terroristin aus!

Sicherheitslücke 1: Mein Lippenpflegestift wurde dann noch nicht mal näher begutachtet! Aber wer meint denn auch, dass die Security da auf einmal SprengstoffexpertInnen hinsetzt???
Sicherheitslücke 2: Weil ich mit den Gedanken schon ganz woanders war, drückte ich Inga einfach irgendeines der Flugtickets in die Hand. Genauer gesagt - meins. Wir sind damit bis ins Flugzeug gekommen, ohne dass jemand nur mit der Wimper gezuckt hätte!
Der Flug wurde ganze dreimal nach hinten verschoben, so dass wir ewig am Flughafen warten mussten. Im Flugzeug hatten wir dann den Genuss relativer Enge, schreiender Kinder und stinkender Luft aus dem ChemieWC - wir saßen in der letzten Reihe...
Gelandet in Riga, konnte das Flugzeug nicht an den Gang ran fahren, so dass wir mit dem Bus irgendwo abgeholt wurden. Dabei warnte die Crew uns bestimmt dreimal vor dem slippery ground. Ja, der Boden war schon sehr vereist, aber das sind wir ja aus Oslo gewohnt! Sogleich stiegen wir in den Lokalbus nach Riga City.

Leider verstanden wir aber auch nicht mehr als Riga. Die Straßennamen waren lettisch uns somit undeutbar für uns. Auch die Konduktora (mobiler Fahrkartenautomat aus Vorzeiten) konnte uns nicht weiterhelfen, weil sie kein Wort Englisch konnte. Wir stiegen daher zu spät aus! Da wir uns nur die Wegbeschreibung von dem Busterminal aufgeschrieben hatten, nun aber in einer einsamen Gegend irgendwo anders waren, liefen wir einfach in irgendeine Richtung. Gefühlt: zurück.
Gleich bei der ersten Ampel winkte uns ein Mann aus einem Bully. Sonst war niemand weit und breit zu sehen (eine Stunde Zeitverschiebung nach hinten - es war also spät). Ich ging also hin und zeigte auf den Straßennamen, in der das Hostel gelegen war. Er zeigte nach rechts unter eine Brücke und meinte, dass er uns ja mitnehmen könne, schließlich wär das ein ganzes Stück. Zwei Mädels allein unterwegs, männliche Gestalt im Wagen, nicht in Norwegen: Ich lehnte dankend ab. Nach einer ganzen Weile Nachtspaziergang, konnte uns dann doch noch ein anderer Traveller weiterhelfen und schon bald waren wir im Hostel. Tja, die Touristen sind manchmal die besseren Guides...

Ganz großes Kino
Das Hostel können wir nur empfehlen! Die MitarbeiterInnen sind überaus freundlich uns hilfsbereit. Die Küche bietet zwar keine Kochmöglichkeiten, aber eine Espressomaschine und eine kuschelige familiäre Atmosphäre. Neben der Rezeption lag ein Aufenthaltsraum, in dem man immer Leute getroffen hat und morgens früh zumindest den Computer mit kostenlosen Internetzugang! Im Zimmer war frische Luft und genug Platz. Das Bad immer sauber. Das alles gab´s für 10 Eur0 die Nacht. Allerdings sollte man bei einem Aufenthalt im Dormitory immer Ohrenstöpsel dabei haben, sonst gibt´s noch gratis Spanisunterricht dazu.
www.argonaut.lv

Am nächsten Morgen ging es dann in die Old Town, an derem Rande das Hostel auch liegt. Somit war alles schnell zu erreichen. Die City ist auch von Sehenswürdigkeiten zugestopft!

Nur einen Bäcker fanden wir zunächst nicht. Nachdem wir ca. eine Stunde rumgelaufen waren und schon massig fotografiert hatten, trafen wir dann doch noch auf kleine süße Teilchen. Eigentlich sind wir ab dem Zeitpunkt in jede Konditorei gegangen, wenigstens um zu gucken und riechen. Hmmmmm. Während unseres Spazierganges wurden wir mehrmals von Schnee-Lawinen bedroht, aber wir haben es immer heil heraus geschafft...
Da ich nach einem schönen Aufnäher für meinen großen Rucksack suchte, drängt es mich in jeden Suveniri-Laden der Stadt. Früher habe ich um solche Läden einen extra großen Bogen gemacht, jetzt mache ich mir einen Spaß draus... Ich hab einen runden Aufnäher gekauft mit dem Wahrzeichen der Stadt: eine schwarze Katzte auf dem Dach.

Mittags kamen wir in den Genuss eines echt lettischen Essens, wobei ich es leider nicht mehr betiteln kann. Man könnte sagen: Teigtaschen mit verschienen Sorten Pesto und frittierten Teilchen. Als Vorspeise Solianka. Das ganze zum Mensapreis! Wir gönnten uns dann nachmittags noch Kaffee und Kuchen und fühlten uns wie im Schlemmerland.

Plan für der Abend war endlich mal wieder Kino! Perfume hatten wir uns ausgesucht. Doch manchmal kommt eben alles ganz anders als man denkt! Wir hatten gerade ein paar Sachen für den nächsten Tag im Stockmann´s eingekauft und wollten diese noch eben ins Hostel bringen. Auf dem Weg dorthin wurde aber mein Portmonnaie geklaut mit sämtlichen Karten, Bargeld und die Kinokarten!
Es geschah in einer dunklen, einsamen Gasse nahe des Bahnhofes und eigentlich nur eine Parallelstraße zum Hostel... Die Mitarbeiterin im Hostel rief sofort die Polizei an, um uns zu sagen wohin wir den fahren sollten, um den Sachverhalt aufzunehmen. Ich vertelefonierte innerhalb von 4 Minuten die gerade aufgeladenen 150 Kronen meiner norwegischen Handykarte mit meinem Papa. Karten sperren war nun sein Job. Ich hatte mit Polizei und Botschaft auch genug zu tun.
Inga und ich machten uns mit der Straßenbahn auf in Richtung Polizeidienststelle. Das Geld bekamen wir vom Hostel geliehen, weil ich all unsere lettischen Lats dabei hatte. Dort empfing uns ein jugendlicher Polizist, der gar nicht ganz zuhörte, was passiert war und dann meinte, es müsste ein Übersetzer bestellt werden. Das könnte dauern. Vielleicht eine Stunde, vielleicht zwei. Man kommt sich einfach verarscht vor. Wir warteten also. Neben den Verbrecherfotos und den vermissten Kindern und Frauen. Zwei alte Stühle standen rum. Der Flur sah aus wie zu alten SU-Zeiten, hinten lief ein Film auf russisch.
Irgendwann wurde ich dann mit dem Übersetzer verschleppt. So zumindest dachte Inga, alleine über eine Stunde wartend, weil sie nicht mit ins Büro durfte. Ich zählte auf, was alles gestohlen wurde. Details waren aber unwichtig - ob es nun ein schwarzes Portmonnaie gewesen ist, wo Oxmox drauf steht oder nur von der Marke - wen interessiert das schon??? Den Polizisten und Übersetzer auf jeden Fall nicht. Sie vergaßen auch fast, meine Kontaktadresse aufzuschreiben, falls sich doch zufällig was wieder anfinden sollte...
Die Botschaft war unser Ziel für den nächsten Morgen:

Da ich nicht nach Deutschland ausreisen wollte - sondern nach Oslo - knöpften sie mir umgerechnet ca. 70 Euro für einen neuen Pass ab, der dazu nur ein Jahr gültig ist! Wir mussten auch gleich zwei mal ins Fotostudio, da ich zuerst zu klein auf den Bildern war. Kleiner Trost: die Bilder waren nur halb so teuer wie in einem deutschen Automaten. Auf dem Weg dorthin, kamen wir hier vorbei- ein 24 Stunden Blumenladen. Wer nachts um 2 dringend Blumen braucht, weiß ich bis heute nicht...

Lettland is like...
Frauen in high heels und Popomanschette liefen überall durch den Schnee und die eisglatten Straßen. Inga hat ja schon gemutmaßt, dass Stöckelschuhe die moderne Form der Spikes seien... Es wird auch gemunkelt, dass Lettland ein Frauenüberschuss hat und die sich deshalb so aufbrezeln. Wir sind daher sofort als Touristinnen aufgefallen. Sehr kurios waren auch die Warnhinweise am Eingang zum großen Kaufhaus: Die Abtretmatte war nicht Stöckelschuh-partibel.

Gleich daneben laufen alte Mütterchen, gebeugt und in alten Klamotten, zerschlissene Schuhe. Das kannte ich ja auch schon aus Estland.

In Riga fanden wir auf dem Markt zudem viele Frauen, die Plastiktüten verkauft haben. In allen Farben und Mustern. In den Markthallen gab es alle möglichen Varianten von Fleisch zu kaufen, aber auch Aloe Vera und ganz viel Honig. Ausländische Zeitungen dagegen Fehlanzeige. Zwei englischsprachige haben wir nur am Flughafen gefunden. Die Internationalisierung hat auf diesem Gebiet echt noch Nachholbedarf. Sonst ist Riga schon prächtig touristisch erschlossen. Nur aus der Touri-Info im Bahnhof wurden wir nicht wirklich schlau. Da musste man sich die Fahrzeiten für die Bahn sogar noch abschreiben. Sowas ist man einfach nicht mehr gewöhnt.
Und das Ticket nach Sigulda bekamen wir so:
-Sveiki! Do you speak english?
-No.
-Ok. hmmm. Sigulda?( zwei Finger gezeigt)
-Majori?
-ja.
-hmm. (tippt den Preis und die Uhrzeit in den Taschenrechner): 1,70 lats für beide, einfache Fahrt
-ja, paldies.
Drei ganze Wörter lettisch können wir nach der Fahrt! Es standen zwar noch so hilfreiche Sätze wie - you have beautiful eyes - oder - I have a black belt in Karate - bzw. - Is this a forrest? - auf dem Stadtplan von Riga, den wir vom Hostel bekommen hatten. Aber: die Ausprache hatten wir nach zwei Minuten vergessen. Trotz Offenbarung in Lautschrift - z.B.: Es ney-zinu kur es zee-voy-uh... = I don´t know where I live. Das haben wir dann mal besser gelassen ;>
Die Züge hatten noch Leder- bzw. Holzbänke, auf denen man "bequem" zu zweit, intimer zu dritt sitzen konnte. So eine Reise bringt echt neue Eindrücke...
Meer, Burgen und Schlösser
Mittwoch Nachmittag sind wir nach Jurmala gefahren - ans Meer. Dieses war i schönstes Pastell gehüllt...

Im November ist eine etwas verlassene Einkaufsstraße kaum überraschend, dafür aber der einsame Mann im Meer. Ja, es hat sich einer reingetraut. Wir froren schon am Ufer und mummelten lieber in Ruhe unser Chiabatta mit Oliven - ein Traum von einem Brot!
Neuste oder renovierte Häuser stehen neben zerfallenen Villen oder Hütten, am Strand gab es tankstellenartige Schilder und tote Fische, aber kein Bernstein... Abends gönnten wir uns dann noch einen Cocktail im "Cuba". hmmm.
In Sigulda regnete es die ganze Zeit. Nachdem wir uns kurz in der Touri-Info aufgewärmt hatten, nahmen wir den Bus nach Turaida, um uns die Burg anzusehen.

Alle Infos waren auch auf Englisch übersetzt worden, so dass wir Einblick in die Geschichte der Burg bekamen. Zum Schluss sind wir noch den Turm hochgekraxelt, was sich super gelohnt hat - besonders wegen der krassen Nebellandschaft:

Sigulda hat eigentlich noch viele andere kulturelle Highlights, aber wir waren ja an die Busse gebunden und wollten noch weiter nach Cesis. Der Bus dorthin war so überfüllt, dass ich schon halb auf dem Schoss eines älteren Herren gelandet bin und Inga besorgt fragte, ob ich noch Luft bekäme. Nun ist das ja kein Feierabendverkehr einer Großstadt, sondern ein Überlandbus. Das war schon sehr befremdend.
Angekommen in Cesis war es schon stockfinster und uns war einfach nur noch eiskalt. Wir fragten nach dem nächsten Bus zurück nach Riga und hatten daher gerade mal 45 Minuten Aufenthalt. Das reichte aber völlig, um einmal zu den zwei Schlösser zu laufen und zurück. Die lagen nämlich nur 5 Minuten Fußmarsch entfernt. Das Schloss erkennt man auf meinem Bild nicht wirklich, dafür ist es ein tolles Zeugnis über den Schnee!
Jugendstil und Kekse
Rigas Altstadt ist einfach wunderschön und so schlenderten wir vor der Abreise am Freitag einfach nochmal durch die Gassen, kauften ein und gingen ins Okkupationsmuseum. O-ton: Die bösen Russen, die bösen Deutschen und nochmal die bösen Russen...

Nach einem letzten Atemzug von Jugendstilbauten, ging es dann zum Einkaufen in den Rimi (Kekse, Kekse, Kekse) und schon zurück nach Oslo!

wakeup - 16. Nov, 19:48
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